Alpencross 2017 – Die Reise

18.8.2017

Erste Etappe bis zum Forggensee, 89 km, 580 hm

Am späten Nachmittag startete ich zu meinem 5. Alpencross, diesmal mit Bianca, für die es der Erste war. Für mich war es der Erste, den ich komplett selber organisiert habe, und direkt von zu Hause aus startete. Mit den Rennrädern und den Rucksäcken, die unangenehm bei dieser Sitzposition drückten ging es den gewohnten Weg Richtung Füssen.

Königsbrunn – Oberottmarshausen – Graben – Hurlach – Ellighofen – Fuchstal – Denklingen – Dienhausen – Schwabsoien – Burggen – Dessaustraße – Lechbruck – Forggensee.

Die Fahrt war schon einmal angenehmer, der Rucksack drückte immer mehr durch die geduckte Position auf dem Rennrad. Trotz der späten Stunden war es immer noch drückend heiß, und Gewitter waren angekündigt, die erst ab Schwabsoien realistisch schienen, also hieß es Tempo forcieren, auch wenn es jetzt etwas hügeliger wird, und die bessere Hälfte schon ganz außer Atem war. Wir schafften es wirklich gerade noch so zu unserem Wohnwagen (haben wir seit vielen Jahren dort fest stehen), kaum dort, prasselte der Regen auf unsere kleine Unterkunft, sehr starker Wind kam auf, und es Gewitterte kräftig, puhh Glück gehabt.

 

19.8.17

Regenpause

Der Wetterbericht sollte recht behalten, kein schönes Wetter. Gut das wir uns dafür entschieden haben am Vortag zu fahren, sonst hätten wir nicht von zuhause aus starten können, oder müssten heute im Regen fahren. So können wir uns jetzt einen Tag ausruhen, und unsere MTB’s noch einmal durchchecken, die wir für den Alpencross am Wohnwagen geparkt hatten.

 

20.8.17

Zweite Etappe: Forggensee – Arzl im Pitztal, 85 km, 1200 hm

Wir vertrauen dem Wetterbericht, doch eigentlich ist es nicht wirklich einladend zu radeln, es ist kalt (13°C), in der Früh regnete es noch, es ist bewölkt. Aber wir mussten fahren, wir hatten nur eine Woche Urlaub, und wir wollten etwas Puffer haben.

Die Route führte uns zum Lechfall, dann über die erste Grenze nach Österreich über Musau – Oberletzen – Hinterbichl – Lechaschau nach Reutte, vorbei an der Burgenwelt Ehrenberg – Heiterwang – Bichlbach. Über einen Höhenweg nach Leermoos – Ehrwald – Biberwier über den Fernpass ins Inntal nach Imst.

Wir wollten es aber noch bis ins Pitztal schaffen. Bis Arzl gings nochmal richtig steil hoch, nach gut 80 km war die Luft bei der Dame raus, also abgestiegen, beim nächsten Hotel angefragt, ob es noch ein Doppelzimmer gibt, passt. Die Wartezeit auf das Essen im nahe gelegenen Restaurant gestaltete sich allerdings sehr lang, aber es war sehr gut, und schnell verputzt.

21.8.17

Dritte Etappe: Arzl – Nauders, 62 km, 1440 hm

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Endlich mal Sonne in der früh, schnell noch Proviant im M-Preis besorgt, und auf geht’s, leider auch gleich Bergauf, mag Bianca gar nicht gern schon in der Früh mit Berg starten, noch dazu fand ich den eigentlichen Weg nicht und wir fuhren erst Straße. Wir haben dann doch den MTB Weg gefunden, und es kam mir gleich wieder bekannt vor, 2008 bin ich damals mit der organisierten Gruppe hier gefahren.

Es ging heute zum Gacher Blick, über die Pillerhöhe auf 1600m, wieder runter ins Inntal nach Prutz. Den Inntalradweg an der Via Claudia entlang, vorbei an Pfunds und der Kajetanbrücke. IMG_7751_1000

Da man nicht den direkten Weg mit dem Rad nach Nauders kommt, muss man über die Norbertshöhe nach Nauders. Eigentlich wollten wir über den Schwarzsee hoch, dann nach Nauders abfahren, aber die Zeit hat uns nicht mehr ausgereicht, also sind wir gleich an der Schweizer Grenze über die knapp 400 hm hoch auf die Norbertshöhe (1405 m).

Auch in Nauders hatten wir kein Problem eine schöne Unterkunft zu finden. Zum Abendessen gabs ein schönes Schnitzel Wiener Art im Viersterne Hotel Post wo ich vor 9 Jahren schon war.

22.8.17

Vierte Etappe: Nauders – Lana, 108 km, 1045 hm

Schönes Wetter heute den ganzen Tag. Wir rollen Richtung Reschensee, und wollen an der Westseite des Sees vorbei fahren. Doch die Schöneben Seilbahn hat es uns angetan, zum Südende des Sees geht ein S1-Trail hinab. Schon am Vorabend haben wir die Karte der 3-Länder-Endurotrails studiert, die Nauders zum neuen Mountainbike Hotspot machen sollten. Dazu passend gibt es auch einen tollen Videoclip von BMWMountains, auf der anderen Seite des Tals. Da es ja heute fast nur bergab ging, entschieden wir uns für die kleine Einlage, nachdem wir schon die Bonushöhenmetter auf die Reschneralm nicht auf uns nehmen wollten, um unsere Kräfte etwas zu sparen. Leider entpuppte sich der Trail als kräftezehrend, da es immer wieder galt kleine Hügel zu überwinden, so fuhr Sie bald die Straße hinab, aber ich hatte noch viel Spaß.

Am Etschtalradweg ging es dann bis Goldrain. Dort auf einem Bänklein überlegten wir wie es weiter geht. Die Begleitung war zu kaputt um noch über die 1500 Höhenmeter zur Naturnser Alm zum Vigiljoch zu kommen, das unser Ursprüngliches Tagesziel war. Somit war aber auch gleichzeitig die Hüttenübernachtung auf der Haselgruberhütte unrealistisch. Noch dazu müssten wir dann wie ich vor 5 Jahre über einen nicht so angenehmen weg die Räder tragen. Als wir so grübelten grüßt uns ein Paar, dass wir schon am Fernpass getroffen hatten, das auch nicht weit von uns wohnt. Wir entschließen uns mit ihnen bis nach Lana zu rollen. Lana entpuppte sich dann aber als äußerst schwierig, eine Bleibe zu bekommen, wir sahen uns schon mit unserem Notbiwaksack in den Apfelplantagen nächtigen. Aber wir hatten Glück und bekamen nach einigen erfolglosen Versuchen – obwohl es alles Vorschläge der Touristeninformation waren – noch ein schönes Zimmer, und konnten mit dem netten Paar, beides Alpencrossdebütanten, aus der Heimat sogar noch einen schönen Abend genießen.

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Blick auf Meran

23.8.17

Fünfte Etappe: Lana – Haselgruberhütte / Rabbijoch, 44 km, 2200 hm

Man hat es gestern schon gemerkt, ganz anderes, mildes Klima. Schon angenehm, zum besten Frühstück der Tour, konnten wir draußen sitzen.

Wir haben uns die Haselguberhütte fest vorgenommen, also ging es trotz hässlicher langer Straßenauffahrt das Ultental hoch in Richtung Rabbijoch. Am Zoggler Stausee angekommen rief ich – nach der langen Suche am Vortag – in der Hütte an, sie hatten sogar noch 2 Betten frei, und meine Freundin war immer noch fest entschlossen weiter als St. Getraud, der letzten Ortschaft auf dem Weg, zu kommen. Die letzten 500 Höhenmeter zum Rabbipass sind wirklich steil, an einigen Stellen heißt es tragen, aber die Mühe lohnt sich. Schon von weitem sieht man das aufgeschichtete Steinkreuz, wer aber glaubt, das war es mit der Mühe, wird enttäuscht. Es warten noch etwa 150 Höhenmeter bis zum eigentlichen Passübergang.

Es ist wirklich schön hier oben. Wir schafften es noch pünktlich zum Abendessen, leider war das warme Wasser zum Duschen schon von den anderen Mountainbikern und Wanderern aufgebraucht, aber das Zimmer hatten wir für uns alleine und die Aussicht entschädigt für alles.

 

24.8.17

Sechste Etappe: Rabbijoch – Madonna di Campiglio,
46 km, 990 hm

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Sonnenaufgang am Rabbijoch / Passo Rabbi 2460 m

Ein toller Sonnenaufgang wartete auf uns, um diesen auf dieser Höhe zu geniessen, sind wir extra ausnahmsweise mal früher aufgestanden. So ein Highlight auf einer Alpentour darf man sich nicht entgehen lassen.

Von der Hütte aus ging es dann auf einen wirklich Klasse Flowtrail, sogar für Bianca fast komplett fahrbar. Unser Ziel heute war Madonna di Campiglio.

Diese Etappe war die härteste, die Motivation nach dem Rabbijoch war weg, der Weg nach Madonna ist ein teilweise steiler öder Forstweg, man sieht nur selten die Berge der Brenta, aufgrund der vielen Bäume, und noch dazu hatten wir dummerweiße zu wenig zu essen mit genommen, und dann wird Mausi krätzig ;-).

Irgendwie kamen wir aber an, und füllten an der Bergbahn unsere Mägen. Nachdem der Computer der Touriinfo nicht wirklich günstige Hotels ausspuckte, versuchten wir es bei dem Hotel, in dem ich 5 Jahre zuvor schon genächtigt hatte, und bekamen wirklich ein tolles Zimmer, es sollte das Beste auf unserer Reise bleiben, und das sogar noch günstiger als die aus der Info. Nachdem wir geduscht waren quälten wir uns noch nach draußen zur Nahrungsaufnahme, und schlenderten zuvor noch durch die belebte Fußgängerzone. Ein krasser Gegensatz zu der Ruhe auf der Hütte.

 

25.8.17

Siebte Etappe: Madonna di Campiglio – Gardasee, 76 km, 1340 hm

Gut gefrühstückt ging es wieder bei allerbesten Wetter los, auf die letzte Etappe. Wir verfuhren uns bald, da wir den Dolomiti di Brenta Biketrail Schildern folgten. Mein Garmin hatte keinen Track mehr und mit der Suunto kann man nicht so genau Navigieren, Gott sei Dank hatten wir im Hotel noch eine recht genaue kostenlose Karte ergattern können. Trotzdem waren wir zu weit gefahren, und mussten von S. Antonio di Mavignola wieder etwas Bergauf zurück, wir schoben einen steilen Forstweg nach oben, dort war nur noch ein schmaler Pfad wir folgten diesem, aber rechneten jederzeit damit noch einmal alles zurück zu müssen. Doch wir hatten Glück, der Weg führte direkt auf den eigentlichen Forstweg zum Lago di Valagola, und wir waren nicht die einzigen die diesen Weg genommen hatten, hinter uns bog auch noch ein Biker auf den Weg.

Nach einer kurzen Brotzeit am See musste wieder geschoben werden, aber dann ging es auf einen kurzen schönen Trail, und dann sehr lange Bergab. Wieder auf der Straße vorbei am Lago di Ponte, der in einer beeindruckenden Schlucht liegt, über Stenico nach Ponte Arche.

Der Einfachkeit halber entschieden wir uns, auf der Strasse zu bleiben, über den Passo Ballino am türkisen Tennosee vorbei, in Richtung Riva.

Endlich taucht er vor uns auf, das Ziel der meisten Alpencrosser. Jetzt geht es nur noch rollend die 700 Höhenmeter bergab, immer den Lago im Blick, welch ein Gefühl, nach einer Woche Fahrt.

Da es schon sehr spät war führte uns der Weg nicht wie normal üblich an den Hafen von Riva, sondern zuerst ins Reisebüro, wir hofften noch einen Eurocity für morgen buchen zu können, aber leider war schon seit Dienstag alles voll. Also doch mit dem Regional Zug die Heimreise antreten. Dann ging es noch kurz an den Strand für ein Ankommerfoto. Geschafft, nur noch paar hm zum Hotel nach Nago. Nach dem Abendessen genossen wir noch die tolle Aussicht bei Nacht auf Torbole, mit einem sepiafarbenen Sichelmond.

 

26.8.17

Heimreise per Zug

IMG_7977_1000Abenteuer Heimfahrt beginnt. Müde und kaputt, genießen wir noch einmal die Aussicht auf den See, bevor wir gemütlich zum Bahnhof nach Rovereto rollen. Es gäbe auch schon die Möglichkeit von Mori nach Bozen zu fahren, aber um 12:39 fährt der direkte Zug von Rovereto zum Brenner. Wir haben wieder mal Glück und können die Räder noch bevor das Zugpersonal uns registriert in den Zug hieven, es ist dort Platz für noch mehr Räder gewesen, aber das Zugpersonal hatte nur noch zwei Radständer frei, es sind aber 4 Räder mit rein ;-). Die Schaffner sind sonst sehr konsequent, nur wenn 2 Räder aus dem vollen Abteil heraus kommen, dürfen auch wieder 2 hinein. Zwei Rennradler durften in Bozen den Zug wieder verlassen, da sie im Gang standen, sind dann aber nur wenige Minuten nach uns mit einer anderen Verbindung an der Grenze angekommen.

Die Zugfahrt wird mit der Österreichischen Regionalbahn fortgesetzt, Umstieg wieder in Innsbruck dann in Kufstein und nochmal in München, und wir durften nach fast 7,5h Zugfahrt endlich in St. Afra aussteigen. Sitzplätze hatten wir immer reichlich zur Auswahl, im Gegensatz zu unseren Bekannten, die im EC gefahren sind, die ohne Reservierung schlechte Aussichten auf einen Sitzplatz gehabt hätten.

Fazit

Es war natürlich nicht der härteste Alpencross, aber der trockenste, es sollte ein schöner Einstieg für meine Freundin werden, und ich habe meine letzten 2 Touren quasi zusammen gewürfelt, kannte mich schon in der Gegend soweit aus, auch wenn ich nach 9 bzw. 5 Jahren nicht mehr alles im Kopf hatte.

Die erste Idee, der Via Claudia zu folgen, wichen wir mit dem Rabbijoch natürlich ab, was sich aber unserer Meinung nach absolut gelohnt hat, denn wenigstens einen solchen Übergang auf 2500 m ist das absolute Highlight auf so einer Tour, und macht die Erfahrung Alpencross erst zu diesem Abenteuer.

Es war, trotzdem ich mit Freundin fuhr, auch für mich, ich will nicht sagen, fordernd, aber, man weiß am Abend, dass man den ganzen Tag im Sattel war. Am Ende der Woche ist man einfach erschöpft, aber glücklich. Es sind intensive Tage, verschiedene Länder, Landschaften und unsagbar viele Eindrücke. Und das alles quasi vor der Haustüre. Man muss nur einfach los. Trotzdem habe ich immer wieder einige Jahre Pausen zwischen den Touren, vielleicht ist es gut so, dann ist es doch etwas besonderes.

Insgesamt waren es in dieser Woche ca 530 km und 8800 hm.

Eine Ausrüstungs- und Packliste findet Ihr hier.

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