BMW 5er Touring E61 wird zum Minicamper

Für unsere Skandinavienreise im letzten Sommer, über die ich den Bericht nach langer Blogabstinenz (nennen wir es Sommerpause) schon lange schuldig bin, haben wir unseren Dailydriver zum Campmobil umgebaut.

Nachdem wir auf Messen alles vom Dachzelt über Geländefahrzeuge bis zum Kastenwagen angeschaut haben, und uns nicht recht klar war, in welche Richtung wir uns am Besten bewegen sollen für zukünftige Reisen, wurde einfach kurzerhand das vorhandene zum geringen Budget angepasst. Innerhalb von einem Tag wurde der Mittelklasse BMW zum Stealthcamper.

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Das Fahrzeug

Der E61 ist ein 530i mit einem 6 Zylinder Benzinmotor mit knapp 260 PS und ausgerüstet mit einer LPG Anlage, was ein günstiges Fortkommen ermöglicht, besonders in Deutschland und Italien. In Skandinavien ist es zwar auch günstiger als Benzin, aber auch schwerer zu bekommen.

Der Reisekomfort dieses Fahrzeugs mit den optionalen Komfortsitzen ist natürlich wie geschaffen für lange Etappen, was man von so manchen Reisemobilen auf Transporterbasis vielleicht nicht so behaupten mag. Navi, Headupdisplay und praktisch für Ladung, die Niveauregulierung und für die Lüftung das Panoramadach. Was fehlt, ist die Campingtauglichkeit, oder?

Der Vorteil eines Kombis in dieser Fahrzeugklasse ist die Länge, der Nachteil, die Höhe.

Die Überlegungen

Viele Konzepte bei solchen Umbauten, bei SUVs und auch bei Kombis sehen für Stauraum eine Erhöhung der Liegefläche vor, und dann darunter entsprechende Schubladen und Fächer. Da es beim Kombi eh sehr flach ist, wollte ich einen anderen Weg gehen, und die Höhe im „Wohnbereich“ nutzen. Denn sonst wird das aufsitzen ganz unmöglich.

Um das zu erreichen, muss das Gepäck also nach oben wandern. Das ist möglich im Bereich des Kofferraums. Statt der Gepäckraumabdeckung habe ich dort eine Plattform geschaffen, weil die Beine nicht soviel Höhe benötigen.

Mit umgeklappten Sitzen erreicht man bei diesem PKW Modell bis zur Kante der Rücksitzbank knappe 1,80m fast ebene Liegefläche. Leider reicht mir persönlich das nicht ganz aus, weswegen eine Verlängerung auf 2m her musste.

Die Umsetzung

Hierzu habe ich zwei Bretter, etwa 25cm tief und der Breite der Rücksitzbank angepasst und mit einem Scharnier verbunden. Die eine Hälfte wurde mit einer Aluleiste versehen, die in den originalen Punkten für das Gepäcknetz eingeklipst wird, die andere Hälfte, klappt noch oben bei Nichtbenutzung. Um die Liegefläche noch etwas flacher zu bekommen, habe ich die Kopfstützen und die Mittelkonsole ausgebaut.

Um jetzt auf 2m Liegefläche zu kommen fährt man die elektrischen Sitze ganz vor, lässt das Brett am Scharnier nach unten und hängt dieses mit einem Spanngurt an die Gepäcknetzaufnahme ein. Die Befestigung des Gurtes bestand aus einer Beilagscheibe und einer Schlaufe aus Paracord. Unter Zug kann das nicht aus dem Haken heraus. Als Beleuchtung diente neben der serienmäßigen Leseleuchten die Fenix RC09.

Die Bretter wurden dann mit Wollstoff bespannt, für ein angenehmeres Wohngefühl.

Darauf kamen dann die Kissen, darunter hatte man im Fussraum Stauraum, z.b. für die Kompressorkühlbox Dometic CoolFreeze CDF 26, die hervorragend den Platz ausnutze da sie von der Breite ganz genau reinpasst, nur den Nachteil hat, dass dann lange Beifahrer wie ich, nicht mehr so gut sitzen können.

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Als Matratze dienten die selbstaufblasbaren Isomatten von Miltec. Da gäbe es natürlich noch etwas Verbesserungspotenzial. Warm gehalten haben uns Daunenschlafsäcke von Mountain Equipment, was jedoch bei den sommerlichen Temperaturen eigentlich etwas übertrieben war.

 

Auf dem Foto sieht man das Holzregal für das Gepäck. Weitere Taschen und Rucksäcke fanden dann auf den Vordersitzen und im Fussraum Platz. Da wir jedoch schon etwas minimalistischer Unterwegs sind als so manch anderer, kommen wir mit relativ wenig aus.

20180714_201954Die Hecktüren sind zwar mit Sonnenschutzrollos ausgerüstet, aber wir wollten die Fenster komplett verdunkelt haben, zum einen wegen der Privatsphäre, zum anderen natürlich auch wegen der hellen Nächte im Norden. Hierzu diente eine Aldi Fitnessmatte, die passend zugeschnitten wurde und einfach hinter das Rollo geschoben wurde. Zusätzlich dazu war hinter den Sitzen und am Gepäcknetz noch ein Vorhang angebracht der an Schnüren am Fahrzeughimmel befestigt war.

Esszimmer

Soweit zur Schlafmöglichkeit. Mit dabei war ein Coleman Mini Camp Campingtisch, ein Miltec Klappstuhl und eine Fritz Berger Klapptoilette, die auch mit Hilfe zweier Knieunterlagen, die wir auch für den Ally nutzen, als Sitzmöglichkeit dienen musste. Überdacht wurde das ganze bei Bedarf durch ein 3,2x3m grosses Alexika Tarp.

Zusätzlicher Stauraum gab es in der Thule Pacific 200 Dachbox. Dort war Platz für den Ally Faltcanadier und weiteres Camping Equipment.

Fahrräder waren auch dabei, praktisch für Städtetouren, und fanden, nachdem die Pedale abmontiert wurden, Platz unter dem Gepäck im „Schlafzimmer“.

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Fazit

Wir haben mit Ausnahme von zwei Nächten – einmal doch im Hotel, und einmal im Zelt – 2 Wochen im Auto geschlafen, und zwar besser als gedacht. Es war bequem, trocken und leise genug. Platz war auch ausreichend vorhanden. Das herumräumen früh und abends gehört natürlich dazu, das wäre bei einem größerem Auto, wie z.B. einem VW Bus weniger. Aber, es war alles was nötig war dabei. Das Aukey 12V Solarpanel für die Autobatterie ist eigentlich gar nicht zum Einsatz gekommen.

Einiges kann man noch verbessern und optimieren, wie eine Lüftung mit Regen- und Mückenschutz, bessere Matratzen, die jedoch auch nicht viel höher sein dürften wegen dem Holzregal.

In Schweden haben wir Landrover Defender Reisende getroffen, die ziemlich erstaunt waren, was wir aus dem Kombi alles so hervorgezaubert haben. Zwei Mountainbikes, ein 4,50m Boot, die ganze Campingausrüstung, und dann haben wir auch noch zwei Wochen in dem Auto gewohnt.

Der BMW ist schneller, wendiger und luxuriöser zu fahren als die meisten Reisemobile. Es war wesentlich bequemer als Zelten auf dem Boden.

Etwas mehr Bodenfreiheit (Schlechtwegepaket, Umprogrammierung der Niveauregelung), Allrad (gab es bei dem Modell sogar) und bisschen mehr Höhe im Innenraum wäre perfekt.

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