Die Falkensteiner Höhle

Ein Abenteuer ganz anderer Art war der erste Besuch einer Höhle, und dann gleich eine Wasserführende, nämlich die Falkensteiner Höhle in der schwäbischen Alp bei Bad Urach – eine von 2500 in dieser Gegend.

Dies ist eine „wilde“ Höhle, es gibt also keine Beleuchtung oder sonstige Eingriffe um sie dem Tourismus zu öffnen, es ist keine Schauhöhle, sondern noch ein echtes Erlebnis. Sie hat eine gemessene Ganglänge von 3987m, Jochen Hasenmayer schaffte es 1980 bis in 5000m zum 26. Siphon vorzudringen.

Demnach ist auch Kälte- und Nässeschutzkleidung und ein Helm nötig, und genug Licht – es werden 3 unabhängige wasserdichte Lichtquellen empfohlen, bei der Befahrung der Höhle, wie im Fachjargon das Erkunden genannt wird. Durch die Höhle fliesst die Elsach, die Temperatur beträgt konstant etwa zwischen 7 und 9 Grad.

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Ich war mit einer Gruppe Bekannten über die Eventagentur Team-X auf einer geführten Tour angemeldet, um die ersten Erfahrungen mit Dunkelheit und Enge zu machen. Man weiß ja vorher nicht, wie man damit umgeht, da es eine ganz neue Erfahrung war.

Für den Anfang also nur die kurze Einsteiger Tour, 480m in die Höhle bis zum ersten Siphon.

Wir bekamen 5mm Neoprenanzüge, Neoprensocken und einen Helm mit Lampe vom Veranstalter gestellt. Ich selber habe mir noch Neoprenhandschuhe mitgenommen, Schuhe waren ganz normale Wanderstiefel mit Gummisohle.

Vom Parkplatz geht es ein paar Meter zum Höhlenteich, an dem man schon mal den Wasserstand ablesen, da die Elsach normalerweise durch Schlucklöcher in der Höhle abfliesst, und unter anderem an dieser Stelle wieder heraustritt.

Von dort aus geht es ca. 350m etwas bergan zum riesigen, sehr beeindruckenden Höhlenportal. Solche Eingänge sind relativ selten zu finden, meist sind Höhlen eher versteckt und wurde nur durch Zufall gefunden.

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Der Eingang der Höhle ist der sogenannte Demutsschluf, man kommt nur gebückt in den ersten Raum. Etwas Demut ist auch gut, nicht jeder schafft es aufs erste Mal von der frischen Waldluft eines sonnigen Spätsommertages gebückt in die Dunkelheit und Feuchtigkeit ins Erdinnere vorzudringen. Da gehört schon etwas Überwindung dazu.

Wenn man dieses Hindernis allerdings erstmal überwunden hat, ist man drin, in einer anderen Welt. Rechts ist das Schluckloch, links geht der Gang weiter, durch das kühle Wasser.

Schroffe Felswände wechseln sich mit glattgespülten, oft mit Kalk überzogenen Steinen ab. Nach dem recht breiten, aber niedrigen Gang kommen die ersten Herausforderungen für den angehenden Höhlenforscher. Es wird eng, immer wieder kommen nun Stellen, die man nur krabbelnd durch kniehohes Wasser durch muss. Bei einer Stelle, dem Königsmacher, wo die Engstelle genau am Hals ist, den man lang machen muss, kommt man auch nur quer durch. Das ging besser als gedacht, der Ausgang war fast schwieriger, etwas Mobilität und Beweglichkeit ist da schon von Vorteil.

Wer jetzt Angst hat, und sagt, das ist nichts für Ihn, dem kann man trotzdem die Höhle empfehlen, es geht nämlich auch ohne diese Stellen, vieles kann man auch umgehen, aber, es sollte auch ein Test sein, ob man auch für mehr geeignet wäre.

Zugegebenermaßen wäre man wohl sicher in einige Löcher nicht reingekrabbelt, wenn man nicht gesehen hätte, dass man wirklich durchpasst. Aber, nachdem der Guide und schon die halbe Gruppe durch ist, war schonmal die Gewissheit da, dass es prinzipiell geht. Und es auch genug Leute gibt, die schieben und ziehen können 🙂

Nach gut 1,5 Stunden, natürlich mit Pausen, schauen, erkären und Geschichten um die Höhle … und auch mal ein gut begehbares Stück ohne Licht im Dunkel, nur vorgetastet, sind wir dann am lehmigen Goldgräberstollen angekommen. Dem einzigen Stück, das von Menschenhand bearbeitet wurde, auf der Suche nach dem kostbaren Edelmetal, nachdem gutgläuben Glücksrittern im 18. bin ins 19. Jhd von emsigen Geschäftemachern Schürfrechte verkauft wurden.

Gold wurde aber nie gefunden.

Direkt nach dem Stollen ist der erste Siphon, ein Durchgang, der nur ca. 5-10 Zentimeter über dem Wasserspiegel Platz lässt, und ca. 4,5 m an einem Seil, am besten sehr langsam, rücklings, damit man oben atmen kann, zu passieren.

Unsere Tour endete hier. Man kann die sogenannte Wasserfallstrecke buchen, die dann durch die „Reutlinger Halle“ geht, und ca. 4h Stunden dauert.

Die Rückkehr war in ca. 30 Minuten relativ schnell, weil wir da nur noch einzelne Schlupfstellen mitgenommen haben.

So waren wir nach gut 2 Stunden wieder im Tageslicht.

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Die Höhle ist natürlich frei zugänglich bis auf den Zeitraum von Oktober bis April wegen dem Fledermausschutz. Es sind aber unbedingt die Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, wie die notwendige Sicherheitsausrüstung und jemandem Bescheid geben, dass man in der Höhle ist.
Zum Einstieg empfiehlt es sich, einen Veranstalter zu buchen, da man dort die richtige Ausrüstung bekommt und einen erfahrenen Guide.

Der bekannte Videoblogger Kai Sackmann war auch schon mit Team X in der Höhle und hat die Wasserfall Tour in Kombination mit der Gustav-Jacob-Höhle gemacht.

Seine Videos hierzu findet ihr hier:
Höhlen 6.1: Falkensteiner Höhle + Gustav-Jacob-Höhle (Teil 1 von 3)
Höhlen 6.2: Falkensteiner Höhle + Gustav-Jacob-Höhle (Teil 2 von 3)
Höhlen 6.3: Falkensteiner Höhle + Gustav-Jacob-Höhle (Teil 3 von 3)

Weitere Informationen findet man unter:
Arbeitsgemeinschaft Höhle & Karst Grabenstetten e.V.
http://www.falkensteiner-hoehle.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Falkensteiner_H%C3%B6hle

und bei verschiedenen Anbietern als buchbare Führung:
Team-X
Underground Experience
Cojote-Outdoor (5 verschiedene Touren, von Einsteiger bis Extrem d.h. 3500m)

Literatur zum Thema Höhlen und Schwäbische Alp
Höhlen. Verborgene Welten
Zeit zum Wandern – Schwäbische Alp: Die 40 schönsten Wanderungen zu sagenhaften Ruinen und spannenden Höhlen
Vergessene Pfade – 35 Stille Toren abseits des Trubels
Faszination Blautopf
Die Wimsener Höhle

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